Dipl. - Psych. Detlev Laß     Dipl. - Psych. Tamara Markert-Kurrer

Die Zwangserkrankung ist eine psychische Störung, deren wesentliche Kennzeichen wiederkehrende Gedanken und zwanghafte Handlungen sind, die den Betroffenen immer wieder stereotyp beschäftigen.

Zwangsgedanken und Zwangshandlungen kennen die meisten Menschen von sich selbst, z.B. das Prüfen ob die Tür wirklich geschlossen ist, obwohl man weiß, dass man sie zuvor erst abgeschlossen hat. Von einer Zwangserkrankung oder Zwangsstörung spricht man aber erst, wenn sich derartige Handlungen andauernd wiederholen und ein solches Ausmaß annehmen, dass dadurch der Alltag beeinträchtigt ist.

Zwangsgedanken sind Vorstellungen, die der Betroffene als widersinnig erkennt, die sich ihm aber dennoch immer wieder aufdrängen. Sie lösen Gefühle wie Ängste, Unbehagen oder Ekel aus. Zwangshandlungen sind sich wiederholende Handlungen, die oft stereotyp ablaufen müssen. Zwangshandlungen haben oft zum Ziel, Ängste, Unbehagen oder Ekel zu verringern, welche durch die o. g. Zwangsgedanken ausgelöst worden sind.

Nach jahrelanger Erkrankung sind die Zwänge integraler Bestandteil des Lebens geworden. Die Betroffenen leiden unter den Zwängen und an deren Folgen und schämen sich zudem für die Zwänge, die sie oftmals verheimlichen.

Patienten mit Zwangsgedanken werden von wiederkehrenden oder anhaltenden Vorstellungen überflutet, die Angst, Ekel oder Unbehagen hervorrufen. Dabei dominieren vor allem aggressive Gedankeninhalte (z.B., dass man eine andere Person verletzen könnte) und solche, die mit Verschmutzung und Sexualität in Verbindung stehen. Darüber hinaus leiden einige Patienten z. B. unter Befürchtungen, daß ihre »magischen« Gedanken eine Katastrophe verursachen könnte.

Die durch die mit den Zwangsgedanken verbundenen unangenehmen Gefühle werden oft durch Zwangshandlungen  - sich wiederholende Handlungen, die meist regelhaft und in stereotyper Weise durchgeführt werden - vermindert.

Zwangsgedanken und Zwangshandlungen sind zeitaufwändig und können den Tag ausfüllen. Dadurch kommt es zum sozialen Rückzug und Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit. Meist sind sich die Betroffenen dessen durchaus bewusst. Sie erleben die Zwangsgedanken als irrational, aber von ihnen kaum beeinflussbar. Gerade weil sie dies erkennen, verheimlichen sie die Störung oft und suchen keine professionelle Hilfe.

Ohne zeitige psychotherapeutische Behandlung chronifizieren Zwangserkrankungen in der Regel können sich zudem körperlich äußern (z. B. Waschzwang oder Ekzeme). Die Symptomatik intensiviert sich und beeinträchtigt massiv die Lebensführung. Sozialer Rückzug kann daraus folgen.


siehe auch:

Depressionen